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Spielzeugfreie Zeit im KinderstadlInhaltsverzeichnis:
Allgemeiner Überblick Kurze Vorstellung des Kindergartens Der Kinderstadl e.V. in Liedering 7, 83119 Obing, wurde im Herbst 1981 von Eltern und Erziehern der Gemeinde Obing gegründet. Seit November 1984 ist der Träger des Kinderstadls der gemeinnützig anerkannte eingeschriebene Verein Kinderstadl e.V., Verein zur Integration behinderter und nichtbehinderter Kinder. Seit Herbst 1989 ist der Verein Kinderstadl e.V. korporatives Mitglied der Arbeiterwohlfahrt, Kreisverband Traunstein. Beschreibung der Einrichtung Der Kinderstadl ist ein eingruppiger Kindergarten und liegt sehr idyllisch am Waldrand des Weilers Liedering, ca. 8 km vom Ortskern Obing entfernt. Sein größter Schatz ist seine geographische Lage am Wald, in dem es Bäche und Biotope gibt, natürliches Mooslager, ein Hexenhaus, Sumpfwiesen und einen Schlittenberg. Dieser Wald ist eines der schönsten Kinderzimmer die es gibt und wird nach Möglichkeit zu jeder Jahreszeit und bei jedem Wetter genutzt. Das Haus selber ist sehr klein und besteht aus Spielzimmer mit Werk- und Malbereich, Intensivraum, Sanitärraum (Kindertoiletten, 1 Erwachsenentoilette, Doppelwaschbecken und eine Dusche), Büro, Personalküche und einer winzigen Garderobe. Das Haus wurde angemietet und von den Eltern in Eigenarbeit zu einem Kindergarten umgebaut. Zum Haus gehört ein großer Garten mit altem Baumbestand, Kletterbaum, Hexenhäuschen, Blockhütte, Spielgeräten (die auch mit dem Rollstuhl befahrbar sind) und einem Sandkasten. In den letzten Jahren ist in der spielzeugfreien Zeit immer etwas "Bleibendes" im Kinderstadl entstanden, so ein Biotop, eine Weidenhütte und ein funktionierender Backofen (mit Hilfe eines Vaters). Betreuungssituation Die Kinder werden täglich von zwei pädagogischen Fachkräften betreut: einer Erzieherin und einer Heilpädagogin in Ausbildung. Die dritte Mitarbeiterin ist in der Regel eine Berufspraktikantin die ihr Anerkennungsjahr im Kinderstadl absolviert und hiermit die Chance erhält, Einblick in die Integrationsarbeit zu bekommen und sich in ihrer Ausbildung mit diesem Thema zu beschäftigen. Einmal pro Woche unterstützt eine Mitarbeiterin, die als Rhythmikerin und Hörtrainerin ausgebildet ist, durch ihre Arbeit die pädagogischen Ziele des Kinderstadls. Ihr Schwerpunkt orientiert sich an der rhythmischen Erziehung nach Mimi Scheiblauer mit dem Ziel das differenzierte Hören, Sehen, und Fühlen zu vertiefen. Außerdem gibt der Kinderstadl Begleitpraktikanten der Fachakademie für Erzieherinnen, Schülern der Fachoberschule, Hospitanten und Schnupperpraktikanten (Schüler der 8. Klassen) die Gelegenheit einen kleinen Einblick in die Integrationsarbeit zu bekommen oder ihre Praktika bei uns abzuleisten. Nach Bedarf werden einzelne Kinder einmal pro Woche von einer Krankengymnastin betreut. Außerdem gehen wir ca. 5 mal im Jahr in eine Gruppensupervision. Der Kinderstadl ist von Montag bis Freitag von 7.30h bis 13.30h geöffnet und hat ca. 30-32 Schließtage pro Jahr. Aktuelle Gruppensituation 1999/2000 Die Integrationsgruppe ist eine geschlechts-und altersheterogene Gruppe mit 18 Kindern. Davon sind im Kindergartenjahr 1999/2000 zwei Kinder mit Behinderungen. Ein Kind ist schwer-mehrfachbehindert und eines hat eine Gaumenspalte.Die Kinder sind zwischen vier und acht Jahre alt. Bis auf ein behindertes Kind kommen alle aus dem Einzugsgebiet Obing. Kontakte und Vernetzung zu anderen Einrichtungen Wir stehen im Austausch mit verschieden Regel- und Integrationskindergärten im Landkreis, sowie mit der Volksschule in Obing. Natürlich bestehen auch Kontakte zu den Frühförderstellen in Wasserburg am Inn sowie im Landkreis Traunstein. Der Kinderstadl hat sich als Ausbildungsstätte bewährt. So bestehen Kontakte zur Ludwig-Schlaich-Schule Fachschule für Heilpädagogik in Waiblingen. Studierende der Fachakademien Mühldorf/Inn und vom Anton-Fingerle-Bildungszentrum in München durchlaufen hier regelmäßig ihre fachpraktische Ausbildung. Auch Schülerinnen der Fachoberschulen Wasserburg und Traunstein, sowie von den Kinderpflegeschulen Traunstein und Haag leisten im Kinderstadl ihre sozialen Praktika. Kontakte bestehen außerdem zur LAG Gemeinsam Leben-Gemeinsam Lernen Bayern e.V. Dazu ist der Kinderstadl im ständigen Austausch und der Beratung der Fachaufsicht des Jugendamtes und der sozialpödagogischen Beratungsstelle des Gesundheitsamtes im Landratsamt Traunstein. Öffentlichkeitsarbeit und Gemeinwesen Integration im Kinderstadl soll sich zur Integration in der Dorfgemeinschaft weiterentwickeln. Nur dadurch bleibt dem behinderten Menschen sein rechtmäßiger Platz innerhalb der Gemeinschaft erhalten. So findet die Öffentlichkeitsarbeit in erster Linie über die intensive Elternarbeit, aber auch durch Veranstaltungen wie Podiumsdiskussionen und Vortragsabende zum Thema Integration statt. Tage der offenen Tür und regelmäßige Berichterstattung in der Heimatzeitung sollen die Arbeit des Kindergartens transparent für alle Dorfbewohner machen. Über die jährliche Mitgliederversammlung des Trägervereins wird ebenfalls ausführlich in der Zeitung berichtet. Wie kamen wir zum "Spielzeugfreien Projekt Schon Anfang der 90er Jahre hörte unsere damalige Kindergartenleitung von diesem Projekt, das in Weilheim-Schongau wohl entwickelt und erstmals im Penzberger Kindergarten erprobt wurde. Sie spielte lange mit dem Gedanken es auch in unserer Einrichtung einmal auszuprobieren. Das Projekt entstand aus der Idee heraus, sich mit den alltäglichen Konsumgewohnheiten kleiner Kinder auseinanderzusetzen und die Fülle an Spielzeug in deutschen Kinderzimmern und Kindergärten kritisch zu hinterfragen. Durch die Herausnahme des Spielzeugs sollte Spiel und Raum geschaffen werden für die eigene Ideen kleiner Kinder, für ihre Phantasie und Kreativität und damit auch für die Entwicklung ihres Selbstbewußtseins und ihrer sozialen Kompetenz. Die Intention des Projektes ist es, bereits im Kindergartenalter gezielt Maßnahmen der Suchtprävention durchzuführen. Uns selbst, das Team vom Kinderstadl, interessierte folgendes: Eignet sich dieses Projekt, das uns insbesondere wegen seiner kreativen und sozialen Aspekte faszinierte, auch als Methode zur gemeinsamen Erziehung behinderter und nichtbehinderter Kinder? Nach langen Gesprächen und Überlegungen im Team waren wir uns einig, dass wir uns die Informationsbroschüren und einen Film darüber besorgen wollen. Also wandten wir uns an folgende Adresse:
Als wir uns im Team mit diesem Thema auseinandergesetzt hatten war uns klar, dass es eine lange und sorgfältige Vorbereitung, eine regelmäßige Situationsanalyse und Reflexion bei der Durchführung und schließlich eine solide Auswertung und Nachbereitung des Projektes geben muß. Die Entscheidung für das Projekt Als wir uns sehr intensiv mit diesem Thema auseinandergesetzt und lange Gespräche geführten hatten, war uns klar, dass wir es verwirklichen wollten. Die Entscheidung im Team war gefallen. Der Träger Kinderstadl e.V. wurde selbstverständlich über unsere Pläne informiert. Auch die Vorstandschaft des Vereins war schon neugierig was da alles auf uns zukommen würde, und gaben ihr o.k. Wir haben das Projekt "Spielzeugfreier Kindergarten" im Sommer 1995 von Mai bis Ende Juli durchgeführt und ab dem 2. Januar 1996 bis Ende Juli gleich das zweite mal. Es ging eine langfristige Vorbereitung der Eltern voraus. Bei einem der Elternabende griffen wir dieses Thema konkret auf und versuchten schleichende Ängste der Eltern, wie:
Mit den Kindern dauerte die Vorbereitungszeit ca. 4 Wochen. Wir sprachen mit ihnen das Projekt ganz genau durch wie es ablaufen sollte und auf einem Plakat wurden ihre Ideen für diese Zeit festgehalten, die ihnen spontan zu der spielzeugfreien Zeit eingefiehlen. Wir ließen den Elternvertrag wiederum mit einem farbigen Daumenabdruck bestätigen und wiesen nochmals darauf hin, dass in dieser Zeit kein Spielzeug von zu Hause mitgebracht werden soll. Die Projektzeiten "Spielzeugfreier Kindergarten" In diesem Jahr führen wir die spielzeugfreie Zeit zum fünften Mal durch. Die Zeiträume waren daher auch zum Teil verschieden. Das erste mal, als wir uns an dieses Projekt trauten, lief diese Phase über drei Sommermonate. Die Eltern waren so begeistert, dass sie sich wünschten diese Zeit zu wiederholen und wenn möglich auch mal in den Wintermonaten. In den Sommermonaten, in denen wir so wie so viel Zeit in der Natur verbringen, wäre es ja ziemlich einfach gewesen. Also starteten wir dieses Projekt das Jahr darauf gleich nach den Weihnachtsferien. Die Kinder wurden im Dezember schon vorbereitet, was wir vorhatten. Wir Erzieher räumten allerdings alleine den Kindergarten aus und nach den Ferien fiel den Kindern kaum eine Veränderung auf. Auch die Eltern sprachen uns nach einigen Tagen erst an, ob wir wieder das Spielzeug weggeräumt hätten! Nicht weil die Kinder etwas erzählt hatten, sondern weil es ziemlich leer in den Räumen aussah. Ein Teil der Kinder hatte auch zu Hause einiges an Spielzeug weggeräumt und konzentrierten sich auf andere Spielideen. Zur aktuellen "spielzeugfreien Zeit" vom 02.05.2000 bis 31.07.2000: Wie auch schon in den vergangenen Jahren forderten auch in diesem Jahr wieder Eltern, denen dieses Projekt schon vertraut ist, die Spielsachen wieder wegzuräumen. Auch einige Kinder kamen auf uns zu und wollten wissen, ob es wieder eine Zeit gibt in denen es im Kindergarten kein Spielzeug geben wird. Für uns, das Team, war auch klar, dass dieses Projekt in unseren Jahresablauf schon mit integriert ist. Neue Eltern wurden auch aufmerksam und wollten genauere Informationen haben. Für uns war klar, dass wir diesmal wieder alle Sachen wegräumen wollen. Außerdem möchten wir versuchen uns ganz zurückzunehmen, um wirklich die Impulse der Kinder abwarten zu können, nur mit zu agieren, wenn die Kinder auf uns zukommen. Keine Geschichten zu erzählen, wenn diese nicht ausdrücklich gewünscht werden usw. Mit Spannung wurde diese Zeit erwartet. Vorbereitungen Wir thematisierten dieses als einen Tagesordnungspunkt beim 3. Elternabend im Januar, mit dem Unterschied, dass wir nicht fragten ob sie einverstanden sind, dass dieses Projekt wieder läuft, sondern wann wir damit anfangen wollen. Es gab keine Proteste sondern nur positive Resonanz mit viel Neugierde bei den neuen Eltern. Wir legten für April einen Elternabend fest, der außer ein paar Terminierungen ausschließlich über den "spielzeugfreien Kindergarten" informieren sollte. Zu diesem Elternabend legten wir die Broschüren über den "Spielzeugfreien Kindergarten" aus. Die Eltern hatten die Möglichkeit diese mit nach Hause zu nehmen, durch zu lesen, sich mit diesem Thema auseinander zusetzten und entstandene Fragen durch uns klären zu lassen. In den darauffolgenden Wochen besprachen wir auch immer wieder mit den Kindern, wie es wohl wäre wenn die Spielsachen wieder weg wären. Einige hätten es am liebsten gleich wieder weggeräumt ( da muß nämlich nicht soviel streiten, da kann man mehr spielen ) und andere fanden es ganz schön "blöd" (dann wird es langweilig...). Im letzten Jahr bauten wir das verschwinden der Spielsachen in die Räuber Hotzenplotz Geschichte mit ein (dieser klaute uns nämlich über das Wochenende alles und im Sommer fanden wir alle Sachen mitten im Wald auf einem Ladewagen durch "Zufall" wieder) und sofort kamen Fragen der Kinder, ob der Räuber wohl noch mal so unverschämt wäre und sich die Sachen unter den Nagel reißen wird. Wir versuchten zu erklären, dass das die Geschichte vom Vorjahr gewesen sei und heuer die Spielsachen einfach mal in Urlaub möchten. Die Kinder verstanden das sehr gut. Also stand unserem Projekt nichts mehr im Wege. Wir das Kinderstadl Team, die Kinder und die Eltern waren sich einig, das Spielzeug muß heuer auch wieder weg. Im Team tauschten wir uns aus, was wir alles wegräumen wollen, denn der Kinderstadl verfügt über sehr wenig vorgefertigtes Spielmaterial. So einigten wir uns, dass wir um einen sichtbaren Effekt erreichen zu können, wir alle Regale und Schubläden leeren wollen. Das bedeutete auch Bastelmaterial, Scheren, Kleber, Bücher, Farben, Papier, Reifen, Seile, Werkzeug, Musikinstrumente und sogar alle Sandspielsachen, also alles was für uns zur Verfügung stand wurde in "Urlaub" geschickt. Zum Glück haben wir eine Mama im Dorf, die uns einen angemessenen "Urlaubsplatz" zur Verfügung gestellt hat. Leider verfügt der Kinderstadl über keinen Quadratmeter Stauraum und die Sachen müssen immer außerhalb des Kindergartens untergebracht werden. In den nächsten Morgenkreisen sprachen wir sehr viel mit den Kindern, was wir denn ohne Spielzeug spielen könnten. Alles wurde auf einem Plakat festgehalten:
Ausführung Am 02.05 wurde es dann ernst. Als die Kinder nach den Osterferien wieder kamen und die Spielsachen immer noch da waren, war zum Teil Enttäuschung und zum Teil Freude darüber zu erkennen. Aber für den Nachmittag war das Ausräumen schon geplant. Mit Spannung erwarteten wir am nächsten Morgen die Kinder. Ein Kind kam erst nach den Osterferien zu uns in die Einrichtung und hatte aber die Gelegenheit vorher schon einige Tage zu schnuppern. Für dieses Kind war in den Schnuppertagen die Werkbank überhaupt das wichtigste vom Kindergarten. Bei den Gesprächen zu unserer spielzeugfreien Zeit war er auch dabei und mußte es immer wieder hinter fragen ob das Werkzeug auch wirklich in Urlaub geht. Als wir seine Fragen bestätigten, saß er nur kopfschüttelnd da und meinte: "Was sollen wir denn dann spielen". Auch für uns war unklar, wie es diesem Jungen in dieser Zeit wohl ergehen wird, bis dahin hatte er nur die Werkbank im Kindergarten "wahrgenommen". Die Spannung stieg, als F. in den Kindergarten kam, schaute er sich erst mal um, fand seine Freunde und fing an mit ihnen zu spielen. Immer wieder kam er auf uns zu und meinte: "Was spielen wir jetzt ohne Spielzeug". Den Satz kaum ausgesprochen war er schon wieder in ein intensives Spiel mit seinen Kameraden vertieft. Diese Frage kam in der ersten Woche der spielzeugfreien Zeit täglich unzählige mal. Irgendwann konnte auch F. es realisieren, dass auch sein Werkzeug in Urlaub ist. Andere, die diese leeren Räume vom Vorjahr her schon kannten, bauten gleich Lager aus den Fellen und Decken die noch da waren, benutzten unsere leeren Rollwagen als Autos, Motorräder und LKW`s. Uns Erzieherinnen fiel es schwerer sich ganz aus dem Geschehen herauszunehmen und abzuwarten was passiert, auf Impulse der Kinder zu warten, aufgefordert werden zu müssen, wenn sie uns brauchen. Auch war es in der ersten Woche wieder wesentlich lauter. Das liegt aber auch daran, dass wir wochenlang vorher nur im Garten waren, viel mehr Platz zum Rennen und Toben hatten und die leeren Räume natürlich trotz ihrer Winzigkeit auch fürchterlich hallen. Reaktionen auf das Projekt und erkennbare Veränderungen Für uns im Kinderstadl sind wesentliche Bestandteile dieser Zeit:
Wir konnten beobachten, dass keinem der Kinder langweilig wurde, immer neue Spielideen erfunden wurden (Gummistiefelkegeln, Gemüsegarten angelegt, Brücke über einen Bach im Wald gebaut usw.) Gab es Konflikte kamen die Kinder unter dem Vorwand, dass ihnen Langweilig ist ohne Spielzeug. Sie glaubten so den Konflikt nicht lösen zu müssen. Ein Junge machte zu Hause sehr oft Streß und teilte seiner Mutter mit, in den blöden Kindergarten geht er nicht mehr, da ist nichts mehr zum Spielen. Kaum war er aber in der Einrichtung, war er einer der die raffiniertesten Ideen hatte und ausführte. Keine Spur von Langeweile. Ein Mädchen mit Gaumenspalte, zu Anfang des Kindergartenjahres mit sozialen Eingliederungs- und Sprachschwierigkeiten versteckte ihr Problem ganz geschickt am Maltisch. Dort konnte sie sich alleine beschäftigen und mußte nicht soviel reden. Als dann aber die Malsachen auch weg waren, versuchten wir mit L. Alternativen zu finden, was wir denn nun zum Malen und Schreiben benutzen könnten. Da kam ein Kind auf die Idee mit Feder und Tinte, wie früher. Also suchte eine Kollegin eine Feder, Tinte war noch im Büro und so saß L. mit einer Gruppe Kinder um den Maltisch und "schrieb" ganz stolz einen Brief. Sie fand unter anderem dadurch neue Freunde, die sich inzwischen auch schon gegenseitig besuchen und das ist für L. eine Riesenleistung, denn sie wohnt 18 km von ihren Kindergartenfreunden entfernt (bei BSHG größeres Einzugsgebiet). Jetzt in den letzten Wochen kommen vermehrt Fragen der Kinder, wann die Spielsachen wieder kommen. Wir erklären den Kindern, dass wir bis zum Kindergartenende noch soviel zu tun haben, dass wir glauben bis dahin noch ohne auszukommen. Schultüten sind zu basteln, das Sommerfest und unser Übernachten im Kindergarten ist zu planen, Ausflüge stehen noch an usw. uns gehen die Ideen nicht aus. Mit diesen Informationen sind die Kinder stets zufrieden. Die Reaktion der Eltern bei der Vorbereitung und Planung war schon mehr als positiv. Mit der Ausführung denken wir auch. Beim 5. Elternabend verteilten wir Fragebögen zum Thema spielzeugfrei (siehe Anhang), dann baten wir die Eltern sich in vier Gruppen aufzuteilen, sich über dieses Projekt auszutauschen und dann sollte jeder für sich diesen Fragebogen ausfüllen (auch anonym). Es kamen alle Fragebögen ausgefüllt an uns zurück. Drei Eltern konnten zu diesem Elternabend nicht kommen, diese füllten in zu Hause aus. Die Auswertung im Team ergab, dass die Eltern mehr als zufrieden mit dieser Projektzeit sind. Eine einzige Antwort war, ob drei Monate nicht zu lange wären. Die Reaktionen des Teams waren wie immer begeistert, da wir dieses Projekt schon zum 5. durchführen. Wir wissen welche Chancen und Möglichkeiten wir haben und uns geboten werden, wenn wir uns nur auf uns verlassen und auf die Kinder vertrauen. Über den Kindergartenalltag nach der Projektphase können wir in diesem Jahr nicht berichten, da wir erst zum September den Kindergarten wieder einräumen und mit neuen Kindern beginnen. Resümee/Beurteilung des Projektes "Spielzeugfreier Kindergarten" aus eigener Sicht - Erfahrungen meiner Kollegin Gerti Meier: Im Morgenkreis, der bis zum "Spielzeugfreien Kindergarten", von den Erwachsenen geleitetet wurde haben wir versucht uns ganz zurückzuziehen und nur die Kinder Themen, und Gespräche regeln zu lassen. Einige haben diese Zeit, diesen Platz für ihre Wichtigkeiten beansprucht, andere dagegen haben sich überhaupt nicht geäußert. Ich hatte oft den Eindruck sie lassen alles an sich vorüberziehen ohne Spaß und Interesse. Als wir diese Situation nicht mehr aushalten konnten, führten wir die Wäscheklammer, als Kommunikationshilfsmittel ein. Wir legten eine Klammer in die Mitte des Kreises und wer etwas zu erzählen oder berichten hat, darf sich die Klammer nehmen, sie bei sich anstecken und los ging es. Das klappte nicht so gut wie wir anfangs meinten, denn wieder die gleichen Redner stürmten in die Mitte und kämpften um die Klammer. Das war so nicht geplant. Also war die neue Regel, die Klammer geht im Kreis herum, wer etwas zu sagen hat steckt die Klammer an und wer nicht gibt sie einfach weiter. Als auch jetzt noch die selben Kinder ewig erzählten, andere gar nichts, keiner protestierte wenn die Geschichten endlos waren und alles tolerierten bzw. sich ausklinkten waren wir Erzieherinnen wieder ungeduldig und haben diesen Punkt angesprochen. Die Kinder stellten dann selber Regeln auf, wie wir diese Situation verändern können:
Weitere Erfahrungen unserer Kollegin Sibylle Schmidt, die als Aushilfe für 10 Wochen genau in die "spielzeugfreie Zeit" geraten ist. Erste Reaktionen zu diesem Thema waren:
Mein Rückblick auf die "Spielzeugfreie Zeit", Dagmar Gschoßmann: In vielen Punkten möchte ich mich an meine Kolleginnen anschließen, wenn es auch manchmal anstrengend war, da wir Gebrauchsgegenstände die für uns alltäglich sind, auch für uns Erwachsene nicht mehr zu haben waren. Auch wir mußten unsere Phantasie spielen lassen und andere Lösungen finden. Unter anderem genieße ich die "Mehrzeit" die mir bleibt um die Kinder in ihrem Spiel zu beobachten, um ihnen aufmerksam zuhören zu können und nicht schon wieder aufspringen muß, um eine Spielregel eines Gesellschaftsspieles zu erklären oder weil ich Puzzleteile die verloren gegangen sind suchen soll. Das Aufräumen fällt den Kindern leichter, sie behalten besser die Übersicht. Es werden Kinder für viele selbst erfundene Spiele gebraucht und nicht Gegenstände. In dieser Zeit lernen wir wieder miteinander besser umzugehen und uns zu respektieren. Ich hoffe wir konnten einen kleinen Einblick in unsere "Spielzeugfreie Zeit" geben, würden wir alles ganz genau ausführen, könnten wir mit Sicherheit darüber ein spannendes Buch schreiben. Uns ist wieder einmal klar geworden, die "spielzeugfreie Zeit" gehört in unserem Jahresablauf genauso fest hinein, wie das Laternenfest, die Weihnachtsfeier und vieles mehr. Dagmar Gschoßmann Leitung |